Portraits, Tipps & Routen

Das Urstromtal im Berliner Südosten

Das Urstromtal im Berliner Südosten

Der Naturraum wurde nachhaltig durch den Menschen überprägt
Die slawische Besiedelung im Berliner Südosten erfolgte im 8. Jahrhundert. Der Niederungsbereich war ideal für die Fischerei, nährstoffreiche Böden wurden für den Ackerbau kultiviert, Wälder gelichtet. Das Urstromtal stellte erhebliche Verkehrshindernisse dar, daher bündelten sich die Handelswege an Engstellen. Flussverlegungen, Dämme, Mühlenstau und die Trockenlegung von Mooren veränderten bereits im Mittelalter stark den Naturraum durch veränderte Grundwasserverhältnisse. Durch die jahrhundertelange unkontrollierte Beweidung der gemeinen Wiesen und Wälder, der Allmende, entstanden auf dem sandigen Boden halboffene Heidelandschaften, auf denen sich durch Sandverwehungen Dünen auftürmten. Das Vieh wurde in den Wald getrieben, um es mit Jungtrieben, Rinde und Eicheln zu mästen.
Durch die Waldweide kam schwer Aufwuchs auf, durch den Verbiss lichteten sich die Wälder. Noch heute sind einzelne hundertjährige Huteeichen, wie im Plänterwald 12, ein Relikt und Zeugnis dieser Weideform, der Hutung. »Hute« leitet sich ab von (Vieh) »hüten«. Bau- und Brennholzgewinnung, intensive Nutzungen wie Waldweide und Streuwald forderten ab dem 18. Jahrhundert eine geregelte Forstwirtschaft. Gestellwege unterteilten den Wald nun in Jagen oder Schläge, Kiefernplantagen entstanden. Holzgewinnung und vermeintlich hohe Pachterträge für Ackerland führten im 19. Jahrhundert zu großflächigen Rodungen der Cöllnischen Heide, der ehemals ausgedehnten Wald- und Heidelandschaft südlich der Spree, vom Landwehrgraben bis zur Dahme reichend.

Während der Industrialisierung erfolgte der Ausbau des Wegenetzes und der Bau von Bahnlinien wie der Görlitzer Bahn 5. Die Begra-digung 11 24und Verbauung von Ufern, der Kanalbau sowie die Trinkwasserförderung durch die Wasserwerke senkte den Grundwasserpegel. In Späthsfelde, auf den einstigen Rudower Wiesen 26, verloren sich teilweise die idealen Bedingungen für die Baumschule Späth 20. Siedlungen und Gärten entstanden. Zunehmend wurden einst sumpfige Niederungsbereiche im Urstromtal überformt. Für die Holzgewinnung der wachsenden Stadt Berlin, Wohn- und Gewerbeflächen, Infrastruktur, das Flugfeld Johannisthal 31 wurde erneut großflächig Wald gerodet.

Die einstige zusammenhängende Cöllnische Heide existiert heute nur noch rudimentär mit den Wäldern Köllnische Heide 32 und Königsheide 21, Relikten des »alten« Treptower Parks und Inseln mit hundertjährigen Eichen wie dem Schlesischem Busch. 1
»Busch« verweist auf die einstige Nutzform als Niederwald, einer waldartigen Kulturform von Sträuchern und Bäumen, die durch »Stockausschlag« niedrig gehalten werden. Weitere unzählige Straßen- und Ortsbezeichnungen sind heute Zeugnis der ehemaligen Landschaft, ihrer Besiedlung und deren historischen Kulturformen.

Wuhlheide Nr. 41

Die ausgedehnte Wald- und Heidelandschaft wurde im 18. Jahrhundert mit einem Jagdwegenetz versehen. Bei der Gestaltung des Wald- und Volksparks (1919–1932) flossen die naturräumlichen Landschaftselemente mit dem Niederungsbereich der Rohrlake mit Senken, Dünen und ihrer typischen Vegetation sowie die Gestellwege ein. Neben der Erholung für die städtische Bevölkerung lag ein Augenmerk auf der heimischen Vegetation – deren Erhalt und Wertevermittlung. Der Auenbereich ist heute durch die Grundwasserförderung nur noch relikthaft vorhanden.

Die Wuhlheide soll in ihrer Gesamtheit als Landschaftsschutzgebiet mit einigen Bereichen als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Bemerkenswert sind die abwechslungsreichen Landschaften mit ihrer spezifischen Flora und Fauna sowie dem für Berlin einzigartigen Fingerkraut-Eichenwald. Die Wuhlheide stellt mit dem nördlichen Biesenhorster Sand eine wichtige Biotopverbindung in die Peripherie dar.

Tipp: Begeben Sie sich an einem sonnigen Tag mit Stift und Papier auf eine der Lichtungen und richten Sie sich gemütlich ein. Zeichnen Sie eine »Geräusche-Landkarte«. Welches Geräusch kommt aus welcher Himmelsrichtung? Die Musik der Stadt wird nach einige Minuten in den Hintergrund treten und auf Ihrer Karte wird es zirpen, summen, brummen, singen, rufen, hämmern, quaken. Ideal für kleine Auszeit, Ausflug oder Kindergeburtstag.

Tour: Landschaftsreise Wuhlheide

Tour durch die Wuhlheide (Rundweg mit ~ 6,3 km)
Start: Tramhaltestelle Hegemeisterweg 1.
Die Kastanienallee (R1) verläuft rund 1000 m durch eine halboffene Landschaft entlang eines ehemaligen Militärareals, ein jetzt arten- und strukturreiches, renaturiertes Gelände. Richtung Wasserwerk links  in die Kopfsteinpflasterstraße 2 einbiegen, die von Alteichen gesäumt wird. Wir queren dabei den Auenbereich der Rohrlake. Der erste Weg rechts 3 führt zur großen Wiese mit idyllischem Blick auf das Wasserwerk Wuhlheide. Östlich der Wiese 4 links den Weg Richtung Wasserwerk nehmen. An der Gabelung den Weg Richtung Osten 5 einschlagen und ~ 860 m durch Kiefern-Eichenwaldgesellschaften bis zur Unterführung der S-Bahn Wuhlheide laufen. Vor der Unterführung 6 links abbiegen und der Bahntrasse entlang bis zum Hochdamm 7 folgen. Über den Damm nach Westen. Auf der Strecke lassen sich die beeindruckenden Eichenwälder bestaunen. Auf Höhe des  Wasserwerks  den Hochdamm verlassen 8. Östlich des Wasserwerks den Weg Richtung Süden nehmen. Es tut sich erneut eine halboffene Landschaft auf mit ökologisch hochwertigen Wiesen. ~ 1 km bis zum Eichgestell laufen und rechts einbiegen 9. Der Weg führt nun oberhalb des Waldfriedhofs Oberschöneweide entlang. Nördlich erstrecken sich ausgedehnte Buchenhaine. Bis zum Großen Stern gehen 10. Links befindet sich der Rodelberg auf einer Sanddüne. Den Weg Richtung Wasserwerk zurück bis zur Kastanienallee 2. Links abbiegen und wieder zum Ausgangspunkt 1 gehen.

Königsheide Nr. 21

Mit dem »Dauerwaldvertrag« von 1915 wollte die Stadt Berlin verbleibende Forstflächen für die Erholung sichern. Seitdem wurde die Königsheide um mehrere Hektar »angeknabbert«. Heute umfasst sie mit dem Breiten Fenn rund 117 Hektar. Im Wege der Industrialisierung sank das Grundwasser um mehrere Meter. Sumpfige Senken versandeten, die Vegetation litt. Bis in die 1990er Jahre war der lichte heideartige Charakter mit Trockenrasengesellschaften und einem Wechsel oder Mix von Eichen- und Kiefernbeständen mit Birkenhainen markant.
Durch plantagenartige Aufforstung gestaltet sich der Wald heute dichter. Er stellt einen bedeutenden Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar und soll mit dem Breiten Fenn und den anliegenden Friedhofsflächen als Land- schaftsschutzgebiet ausgewiesen werden.

Tipp: »Wie« ein Greifvogel durch die Wipfel gleiten? Mit dem »Spiegel-Gang« ganz einfach: Einen Taschenspiegel waagerecht an die Nasenspitze halten und den Wald mit dem Blick durch den Spiegel erleben. Ideal ab 2 Personen jeder Altersgruppe.

Heidekampgraben Nr. 14

Der Heidekampgraben ist ein eiszeitliches Fließgewässer, das seinen Quellgrund in den Rudower Wiesen 26 als Ausläufer der Cöllnischen Heide hatte. Die Namensgebung verweist auf die landwirtschaftliche Nutzung: »hede«, niederdeutsch für Heide, und »kamp« als Lehnwort für das lateinische »campus«, Feld. An der Mündung in die Spree stand einst eine Fischerkate, die 1568 als Ansiedelung Trebow erstmals urkundlich erwähnt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts sank durch den Bau des Britzer Verbindungskanals und die Inbetriebnahme des Wasserwerks Johannisthal der Grundwasserpegel.
Die Quelle, die zuvor den Teich im Späth-Arboretum 20 speiste, versiegte. Der Kanal kappte das Fließ. Der Heidekampgraben verläuft seitdem von dort. Auf 2,5 km zieht sich ein naturnah angelegter Grünzug mit einem Wechsel aus heimischen Gehölzen und Wiesen entlang des Grabens. In dessen Fließ lagen einst die Cöllnischen Wiesen. Durch Renaturierung und heutiger Gestaltung wurde der einstige Charakter wieder aufgenommen. Wasser, Ufer und Grünzug stellen mit umliegenden Arealen einen wichtigen Lebensraumkomplex und Biotopverbund dar.

Tipp: Erleben Sie den Heidekampgraben von der einstigen Quelle zur Mündung. Wie auf einer Perlenschnur reihen sich abwechslungsreiche grüne Orte. Tour unter stadtnatur.kungerkiez.de. Auch um das Arboretum sind viele bemerkenswerte Bäume zu entdecken. Die Stiel-Eiche gegenüber ist als Naturdenkmal ausgewiesen.

Tour: Heidekampgraben

Tour Heidekampgraben - von der einstigen Quelle zur Mündung

Länge: ~4,5 km mit Varianten

Start: Spätstr. 80/81. Bus: Bus 170 und 265 bis Baumschulenstraße/Königsheideweg

Die Tour startet mit einem Besuch im Arboretum20, welches in den 1870er Jahren im Stil eines englischen Landschaftsparks gestaltet wurde. Nördlich des Areals verläuft die imposante Jubliäumsallee. Diese führt zum Königsheideweg. Dort geht es links bis zur Kreuzung Späthstraße. Am Zaun des Arboretums zeugt ein Brückenrelikt vom einstigen Verlauf des Heidekampgrabens, welcher sich heute weiterführend unter Gemüsebeeten der dortigen Kleingartenanlagen befindet.

Die Ampel wird geradeaus gequert und rechts geht es entlang der Gärten bis zum Britzer Verbindungskanal. Ein Weg führt links auf den Grünzug18 am Kanal. Dieser wurde als halboffene Landschaft naturnah gestaltet. Ungefähr mittig gibt es einen sandigen Uferbereich, welcher den ehemaligen Verlauf darstellt und diesen am Ufer gegenüber mit einer Gehölzreihe optisch weiterführt. Der Kanal wird über die Britzer Allee Brücke gequert. Rechts führt ein Uferweg entlang der Kleingärten.

Am Ende der Anlagen verläuft die Gehölzreihe bis zur Forsthausallee. In diesem Teilbereich wird der Graben verrohrt geführt. Ab der Forsthausallee verläuft der Heidekampgraben auf 2,5 km entlang eines naturnah angelegten Grünzugs (Mauerweg). Dieser quert die Sonnenallee und den Dammweg und geht bis zur Kiefholzstraße. Zwischen Kiefholzstraße9 und Straße am Treptower Park verläuft das Gewässer durch Kleingärten. Hier lädt der Kleingartenpark Plänterwald-Baume10 mit einer Ausschilderung zur Durchquerung ein.
Hinter der Kiefholzstraße staut sich der Graben zunächst zu einem kleinen Teich, um dann durch die Kleingartenanlagen in einem schmalen geraden Bett geführt zu werden. Am Eingang der Anlage „Am Heidekampgraben“ weist eine Ausschilderung den Weg durch die Gärten, die Trasse der Görlitzer Bahn unterquerend, bis zur Straße am Treptower Park. Auf der gegenüberliegenden Seite beginnt der Treptower Park8.

An der Ecke zur Bulgarischen Straße weisen Schilder links den Weg zum Heidekampgraben und weiterführend zum Karpfenteich. Er durchfließt den Karpfenteich. Im Uhrzeigersinn führt der Weg um den Teich mit rund 800 m, direkt rechts weiterführend sind es rund 300 m. Nördlich des Teichs trennt sich der Weg erneut vom Heidekampgraben und verläuft in einem Bogen östlich entlang der Sternwarte und weiterführend links entlang der Wiese vor der Zufahrt zur Sternwarte. Westlich der Zufahrt wird der Graben unter der Puschkinallee geführt. Von dort lässt sich bereits die Mündung sehen. An der Mündung des Heidekampgrabens in die Spree stand einst eine Fischerkate. 1568 wurde die Ansiedelung Trebow erstmals urkundlich erwähnte. Daher zierte der Heidekampgraben das Siegel der Landgemeinde Treptow.

 

Tipp: Obwohl der 2,5 km lange Grünzug ideal zum Radfahren ist, empfiehl sich zu Beginn und in den Kleingarten- und Parkflächen die Tour zu Fuß bzw. das Rad schiebend. Beim Arboretum und in der Späht`schen Baumschule sind die Öffnungszeiten zu beachten. Am Start und Ziel laden Restaurationen zum Verweilen ein.

Plänterwald Nr. 12

Kiehnwerder/Spreepark 11 und Bullenbruch 42

Die Spree glitzert magisch durch die urigen Bäume, ein Graureiher zieht vorbei. Am westlichen Kiehnwerder lässt sich ein Eindruck davon gewinnen, wie sich einst die Landschaft als sumpfiger Auen- und Bruchwald im Spreeniederungsbereich darstellte. Heute zwar stark anthropogen überformt, hat das dortige Ufer dennoch das Potential durch Torfrelikte und den hohen Grundwasserpegel seinen einstigen Charakter wiederzuerlangen. Bis zur Aufforstung ab 1873 lag das Gebiet nach Rodungen brach. Die Bodenverhältnisse ließen keine Vermarktung als Ackerland zu.
Nun wurde ein »Plenterwald« als waldartige Parkanlage mit Bäumen aller Dimensionen angelegt. In solch einem Hochwald entstehen durch das »Plentern« – der Entnahme einzelner Bäume – Lichtinseln. Diese fördern einen sich stets verjüngenden Wald. Heute sind im Landschaftsschutzgebiet Plänterwald Eichen- und Buchenwälder sowie Eichen-Hainbuchen-Wälder mit Alt- und Totholzbeständen prägend und beheimaten eine artenreiche Fauna. Bemerkenswert sind die hundertjährigen Huteeichen um den Spreepark und die Wunderlauch-Felder im Frühjahr. Die Nutzung des künftigen Spreeparks wird aktuell unter Beteiligung der Öffentlichkeit als »Dreiklang aus Kunst, Kultur & Natur« entwickelt.

Tipp: Entdecken Sie das Spreeufer mit dem Paddelboot vom Wasser aus. Die Inseln Bullenbruch, Kratzwerder und die Liebesinsel sind »geschützte Landschaftsbestandteile«. Sie dürfen zum Schutz der Vegetation und Fauna nicht angefahren werden. Das dortige wilde Leben lässt sich gut mit dem Fernrohr vom Paddelboot oder Ufer beobachten.

Ehemaliges Flugfeld Johannisthal Nr. 31

Im Herzen des 68 Hektar umfassenden Landschaftsparks befindet sich das Naturschutzgebiet als ein Hot-Spot der Artenvielfalt, eine bedeutende Fläche für Tier- und Pflanzenarten, die auf magere, trockene Böden spezialisiert sind. Bevor Anfang des letzten Jahrhunderts das Flugfeld angelegt wurde, waren Wald- und Heidelandschaft mit Feuchtwiesen- flächen prägend. Unter dem anthropogen überformten Boden schlummern noch die Fluss- und Talsande und lassen das Wasser schnell versickern. Durch Wind wird der Boden zusätzlich ausgetrocknet. Die steppenartigen Sand- und Trockenrasen beherbergen einen enormen Artenreichtum an Flora und Kleintierfauna wie Wildbienen, Tag- und Nachtfalter, Heuschrecken. Ein ideales Jagdrevier für Fledermäuse. Die offene Landschaft ist auch bedeutend für Vogelarten, die auf diese Strukturen angewiesen sind und zudem große Revieransprüche haben.

Tipp: Der offene Blick in die Landschaft lässt sich eindrucksvoll vom Rundweg aus erleben. Schautafeln informieren über Historie, Flora und Fauna. In der Dämmerung hat man die Gelegenheit, aus der Ferne Füchsen und Hasen »Guten Morgen« oder »Gute Nacht« zu sagen.