Portraits, Tipps & Touren

NSG FREDERSDORFER MÜHLENFLIESS Nr. 6

Teil des NATURA 2000-Gebiets Müggelspree-Müggelsee
Wie Wuhle und Erpe entwässerte auch dieses eiszeitliche Fließ die Hochfläche des Barnim in das Berliner Urstromtal. Von seinem insgesamt 32,6 km langen Verlauf befinden sich die letzten drei Kilometer auf Berliner Terrain. Dort fällt es aufgrund mangelnder kontinuierlicher Niederschläge und Verdunstung trocken. Namensgebend waren die acht Mühlen, die den Verlauf einst säumten, davon zwei im Mündungsbereich in Rahnsdorf – ein Verweis auf den damals hohen Wasserstand. Das Fließ wurde großflächig von Feuchtwiesen begleitet.
Der frühere wendische Name »senca« für »Heubach« kommt von den Heuwegen, deren Verlauf noch die einstige Breite der Aue und der Wiesen zeigt. Zwischen Bahntrasse und Absatzbecken sind Stiel-Eiche, Flatter-Ulme, Berg-Ahorn und Esche die typischen Vertreter der Hartholzaue. Die Erlen-Eschenwälder im Mündungsbereich werden von den Wasserständen des Müggelsees beeinflusst. Sie sind ein bedeutendes Relikt dieses Biotoptyps und weisen eine bemerkenswerte Flora auf. So findet sich dort in der Uferzone des Fließes der rare Wilde Reis. Mit der Röhrichtzone des Müggelsees stellt die Weichholzaue komplexe artenreiche Lebensräume dar.
Im Schilfgürtel hat der Rapfen einen seiner bedeutenden Laichplätze in Berlin und auch die Amphibienund Reptilienpopulation ist im gesamten Gebiet bemerkenswert. Markant zeigt sich der typische Berliner Gegensatz von feucht zu trocken mit einem Dünenzug durch die Aue, der mit Alteichen bestanden ist.

Tipp: Mein Freund der Baum: Der artenreiche Baumbestand der Auwaldrelikte ist ideal für eine kleine Baumkunde. An einem ruhigem Platz lässt sich mit Muße ein imposanter Baum studieren und zeichnen. Wie verzweigt sind die Wurzeln, wie strukturiert ist die Rinde, wie knorrig ragen die Äste in den Himmel? Detailliert skizziert können die spezifischen Merkmale mit einem Baumführer – idealerweise mit Zeichnungen – gut bestimmt werden.

WILHELMSHAGEN-WOLTERSDORFER DÜNENZUG Nr. 10

NSG und Natura 2000-Gebiet
Das Areal umfasst auf rund 187 Hektar ein regional bemerkenswertes Binnendünengebiet. Es erstreckt sich zwischen den beiden namensgebenden Siedlungen, wobei das Schutzgebiet westlich mit den markanten Püttbergen sowie zwei inselartig ausgeprägten Teilgebieten, dem Schonungsberg und dem Schulfeld, in die Siedlungsgebiete von Wilhelmshagen und Rahnsdorf hineinreicht. Die Entstehung der Villenkolonie Neu-Rahnsdorf (seit 1902 Wilhelmshagen) führte ab 1891 zu dieser Verinselung des Dünenzuges. Frühe Bestrebungen einer Unterschutzstellung bewahrten die geologisch besondere Formation in ihrer heutigen Ausprägung.
Heute sind zudem die eindrucksvollen Mosaike aus trocken-warmen Sandstandorten mit Kiefernforsten und Eichenwäldern im Wechsel mit offenen Sandstellen, Trockenrasen und Heiden mit ihrer spezifischen Flora und Fauna Schutzgegenstand. Der jahrzehntelange Kalkstaubeintrag des nahe gelegenen Zementwerks Rüdersdorf wirkte sich markant auf Boden und Flora aus. Generell existieren vor Ort Lebensraumbedingungen für florale Spezialisten und Raritäten, Pflanzen, die sich an trockene exponierte Lagen mit Wassermangel durch unterschiedliche Strategien angepasst haben.
Die artenreichen Sandheiden und Dünen sind zudem Lebensraum für 261 Stechimmenund 432 Schmetterlingsarten – ein Paradies auch für verschiedene Fledermausarten.

Tipp: Trotz der niederdeutschen Bezeichnung »pütt «, für »klein« reicht der malerische Blick von den Püttbergen weit in das 35 Meter tief liegende Berliner Urstromtal mit der Wilhelmshagener Taborkirche ⓫ als Landmarke. Startpunkt für einen Spaziergang ist der S-Bahnhof Wilhelmshagen: Hinab ins Tal bis zur Taborkirche, dann am Platz westlich in die Langfuhrer Allee einbiegen. An der Hochlandstraße beginnen die Püttberge. Hier bietet sich weiter westlich ein Abstecher zum Schonungsberg mit dem Gefallenendenkmal an. Entlang des Dünenrückens führt nördlich ein Weg bis zu einer Senke. Von dort geht es östlich entlang der Bahntrasse zurück zum S-Bahnhof. Nördlich der Bahntrasse verläuft der Dünenzug mit den Grenzbergen nach Brandenburg. Sie sind bis zu 59 Meter hoch und laden zu einer ausgiebigen Tour ein.

NSG GOSENER WIESEN UND SEDDINSEE (NORDOST-TEIL) Nr. 13

Teil des NATURA 2000-Gebiets Müggelspree-Müggelsee, SPA Müggelsee/ Die Bänke, NSG Müggelspreeniederung Köpenick
Berlins größtes Schutzgebiet mit 402,2 Hektar liegt jwd - janz weit draußen und das macht auch seinen Charme aus. Weitestgehend unberührt bietet es mit seiner Lebensraumvielfalt im ehemaligen Binnendelta der Spree ideale Voraussetzungen für Artenreichtum. Davon zeugen allein 652 Farn- und Blütenpflanzenarten. Weitläufige Feuchtwiesen und Bruchwaldkomplexe wechseln sich mit Trockenrasen und Kiefernforsten in höheren Lagen ab. Die Inseln des nördlichen Seddinsees mit seinen großen See- und Teichrosenbeständen und die von Fließen und Gräben durchzogenen Bruchwälder und -wiesen mit ihren Talsandinseln schaffen den Charakter eines faszinierenden Deltas. So ähnlich sah das gesamte Berliner Urstromtal in früherer Zeit aus. Der Naturraum wurde nur für Fischerei und Jagd genutzt. Dies und auch die erst späte Besiedelung ab Mitte des 18. Jahrhunderts mit den Kolonistendörfern Müggelheim und Gosen bewahrte das Gebiet vor umpfangreichen Rodungen. Versuche die Wiesen großflächig trocken zu legen scheiterten. Huteeichen auf den Talsandinseln sind imposante Zeugen der einstigen Weidehaltung. Im nordöstlichen Teil des Seddinsees regiert die Welt der Wasservögel, Fische, Libellen und Amphibien. Naturnahe Uferzonen mit Röhricht und Schwimmblattzonen bieten ideale Kinderstuben. Hier befindet sich auch eine der beiden regionalen Trauerseeschwalbenkolonien. Mit dem Kanu entlang der Kolonien auf Abstand paddelnd, bekommt man ein Gefühl dafür, wie fragil die schwimmenden Nester gegenüber Wellenschlägen sind. Der florale Reichtum der Bruchwälder und -wiesen beherbergt auch eine bedeutende Fauna an Schmetterlingen und Käfern. Aber auch Amphibien, Reptilien, Mollusken, Vögel haben hier ihr Reich. Die Lebensraumvielfalt und Ungestörtheit bildet der Artenreichtum der Vogelwelt ab: Bekassine, Eisvogel, Seeadler, Kranich sind ihre populären Vertreter. Für Fischotter, Biber und Fische sind der Seddinsee und die Müggelspree bedeutende Lebensräume und
Biotopverbundstrukturen. Das Schutzgebiet ist Teil des NATURA 2000-Gebiets Müggelspree-Müggelsee und stellt mit den westlichen NSG Krumme Laake/Pelzlaake zusammenhängende Lebensraumkomplexe dar.

Tipp: Auch wenn das Gebiet größtenteils unzugänglich ist, lässt sich mit einem Fernglas wunderbar die Vogelvielfalt beobachten. Wege um das Freilandlabor Kaniswall auf einer 41,4 Meter hohen Talsandinsel bieten einen guten Rundumblick und einen direkten Ausblick auf die Müggelspree. Gegenüber der Revierförsterei Fahlenberg führt ein Weg südlich zu einem Aussichtspunkt am Gosener Graben mit einem Blick auf den Seddinsee. Wie eindrucksvoll die Landschaft ist, erschließt sich bei einer Paddel-Tour. Infotafeln im Schutzgebiet erläutern die Lebensraum- und Artenvielfalt.

TEUFELSSEEMOOR KÖPENICK Nr. 18

NSG und NATURA 2000-Gebiet
Sagenumwoben ist das Areal. So ist es nicht verwunderlich, dass »der Teufel« Namenspate war: für See, Moor und Loch. Nüchtern betrachtet handelt es sich um ein Toteisloch mit einer Tiefe von 22 Metern als Überbleibsel der mächtigen Eismassen der letzten Eiszeit – ein nährstoffarmes Kesselmoor mit einem Restsee. Dieser hat eine Wassertiefe von rund zwei Metern. Schwimmblattzonen mit Röhricht prägen den See. Das Moor war mit einem Mix aus Kiefern- und Birken-Moorwald bestanden und verschattet, in Kombination mit einem sinkenden Grundwasserpegel drohte es zu verlanden.
Daher wurden 2014/15 großflächig die Gehölze im Moor entfernt. Nun können sich wieder die Lebensraumgesellschaften der Torfmoos-Seggen-Wollgrasriede mit ihrer spezifischen Flora und Fauna ausbreiten. Ideal für den Sonnentau, der nährstoffarme exponierte Lagen benötigt. Von der Renaturierung profitieren auch sechs Amphibienarten, darunter der Moorfrosch. Reptilien wie Ringelnatter, Wald- und Zauneidechse sowie die Blindschleiche sind ebenfalls hier heimisch. Eine weitere Maßnahme der Renaturierung war die Schuttentsorgung aus dem Teufelsloch. Für die Verlängerung der einstigen Rodelbahn wurden dort in den 1950er Jahren 8000 Tonnen verfüllt.
Heute lässt sich das Moor über einen Steg mit Aussichtsplattformen zum See und am Teufelsloch hautnah erleben. Das Lehrkabinett der Berliner Forsten bietet mit einem Naturlehrpfad abwechslungsreiche Infos zum Lebensraum Moor und Wald und deren Bewohnern. Übrigens, neben seiner Bedeutung für die Artenvielfalt ist das Moor auch als Kohlenstoffspeicher relevant.

Tipp: Tauchen Sie ein in die mystische Landschaft vom Teufelsseemoor mit der Kulisse der Müggelberge. Die Menschheitsgeschichte wird begleitet von Mythen und Sagen um Sumpflandschaften. Sie stellten nicht überwindbare Hindernisse dar, die auch Gefahren bargen. Die nicht vorhandene Trennung von Wasser und Land war den Menschen stets unheimlich und die darauf angepasste Vegetation, wie Erlen mit ihren Korkporen, lange vor der Naturwissenschaft, nicht erklärbar.
Allerlei nichtirdische Wesen und Irrlichter lockten die Menschen ins Moor. Ein Kesselmoor mit einer schier unheimlichen Tiefe konnte nur die untergegangene Burg einer wendischen Prinzessin beherbergen. Zur Johannisnacht am 23. Juni könnte sie dem Wanderer am Ufer sitzend begegnen. So gibt auch Theodor Fontane in seinen »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« diese Sage wieder.

NSG KRUMME LAKE GRÜNAU Nr. 31

Wer Gegensätze liebt, ist hier richtig. Die eiszeitliche Rinne mit ihren Erlenbruchwäldern, Feuchtwiesen und Röhrichten bietet einen mystischen Kontrast zu den umliegenden Kiefernforsten. Vom Grundwasser abhängige Birken-Stieleichen an den flachen Hängen geben den Übergang. Eingebettet in eine Talsandrinne verlief der Nebenarm der Dahme mäandrierend vom Langen See Richtung Plumpengraben. Eingriffe in seinen Verlauf und Grundwasserstand haben das Areal stark beeinträchtigt. Heute erstreckt sich der Feuchtgebietskomplex renaturiert und artenreich auf rund 3,5 Kilometern.
2005 wurden allein 77 Pflanzenarten der Roten Liste Berlin sowie 478 Schmetterlingsarten nachgewiesen. Sieben Amphibienarten tummeln sich in dem Feuchtgebiet – unter ihnen ist der Kammmolch stark vertreten. Die zauberhafte Welt des Flachmoores lässt sich über verschlungene Pfade entlang des Verlaufs erleben und über Gestellwege queren.

Tipp: Ideal für Ausflüge mit Kindern: Der Übergang vom Kiefernwald zur wundersamen Landschaft der Krummen Lake kann mit einem »Eingang« zu einer »Märchenwelt « symbolisiert werden. Wie, dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ob mit Stöcken einen Eingang markieren, über ein Seil in eine andere Welt springen oder ein wohlriechendes Wildkraut als Zaubermittel. Zu jeder Jahreszeit kann das Naturschutzgebiet seinen Zauber entfalten. Zum Ende der Tour gibt es wieder einen symbolischen »Austritt «.